Ein Teilnehmer macht im September seine Platzreife.
Dann wird es kalt.
Die Saison läuft aus.
Und im April hoffen wir, dass er wiederkommt.
Eigentlich eine merkwürdige Vorstellung.
Denn zwischen September und April liegen ein halbes Jahr.
Was passiert in diesen sechs Monaten?
Bei uns war der Winter jedenfalls nicht leer
Als wir uns die Zahlen eines GolfJam-Standorts angesehen haben, kamen allein im ersten Quartal 2026 264 erfasste Teilnahmen zusammen.
Januar.
Februar.
März.
Monate, in denen der klassische Golfbetrieb vielerorts deutlich ruhiger wird.
Und genau diese Zahl hat mich weniger wegen der 264 interessiert.
Sondern wegen der Frage dahinter:
Warum behandeln wir den Winter bei Beginnern eigentlich so häufig wie eine Pause in der Kundenbeziehung?
Sechs Monate sind lang
Gerade für jemanden, der gerade erst mit Golf angefangen hat.
Nach der Platzreife ist vieles noch neu.
Der eigene Schwung.
Das Spielen auf dem Platz.
Andere Golfer.
Abläufe.
Regeln.
Vielleicht auch die Frage, ob Golf überhaupt dauerhaft in den eigenen Alltag passt.
Wenn danach für Monate praktisch nichts passiert, darf man sich nicht wundern, wenn der Einstieg im Frühjahr wieder weit weg wirkt.
Nicht weil der Platzreifekurs schlecht war.
Sondern weil Golf noch keine Gewohnheit geworden ist.
Im Frühjahr beginnt sonst die nächste Akquise
Und dann passiert wirtschaftlich etwas Interessantes.
Wir investieren im Frühjahr wieder in:
Schnupperkurse.
Werbung.
Platzreifekurse.
Neue Interessenten.
Das kann absolut sinnvoll sein.
Aber gleichzeitig stehen möglicherweise Spieler in unserer Datenbank, die wir ein paar Monate vorher bereits für Golf begeistert haben.
Die spannende Frage lautet deshalb:
Müssen wir jedes Frühjahr wieder möglichst viele Menschen neu für Golf gewinnen – oder schaffen wir es auch, einen Teil der vorhandenen Beginner über den Winter aktiv zu halten?
Das sind zwei völlig unterschiedliche Aufgaben.
Winteraktivität ist mehr als Beschäftigung
Dabei geht es für mich nicht darum, den Kalender zwanghaft auch im Januar vollzubekommen.
Ein Angebot im Winter macht nur Sinn, wenn der Spieler darin einen echten Nutzen sieht.
Aber wenn jemand weiter Golf spielt, weiter trainiert und weiter zur Anlage kommt, passiert etwas Wichtiges:
Der Kontakt zum Sport reißt nicht ab.
Und damit ist seine Ausgangslage im Frühjahr eine andere.
Er kommt nicht zurück zu etwas, das er vor sechs Monaten einmal ausprobiert hat.
Er macht einfach weiter.
Vielleicht sollten wir weniger in Saisons denken
Golfanlagen planen naturgemäß in Saisonabschnitten.
Der Kunde tut das vielleicht weniger.
Er hat mit Golf angefangen.
Und wenn Golf für ihn interessant geworden ist, stellt sich nicht automatisch am 31. Oktober die Frage:
„So, dann sehen wir uns im April wieder.“
Genau deshalb finde ich die 264 Teilnahmen interessant.
Nicht als Beweis dafür, dass ein bestimmtes System Menschen „bindet“.
Sondern als Hinweis darauf, dass zwischen zwei Golf-Saisons eine echte Kundenbeziehung weiterlaufen kann.
Und dann verändert sich auch die Frage für den Club.
Nicht nur:
Wie viele Anfänger gewinnen wir im Frühjahr?
Sondern:
Wie viele unserer Anfänger müssen wir im Frühjahr überhaupt noch einmal neu gewinnen?
Datenhinweis
Die 264 sind erfasste Teilnehmerwerte eines GolfJam-Standorts vom 01.01. bis 31.03.2026. Mehrfachteilnahmen sind enthalten. Die Zahl zeigt Winteraktivität im betrachteten Angebot, nicht die individuelle Bindung einzelner Personen über den Winter. Sie ist Teil desselben Standortdatensatzes wie der Artikel mit den 1.685 erfassten Teilnahmen.